Search

Pressemitteilung zm online am 16.01.2022



Vier Jahre ist es her, dass der Weltzahnärzteverband FDI seine erste politische Stellungnahme zum Thema Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin abgab. Damals hieß es, der zahnärztliche Berufsstand solle die nachhaltigen Entwicklungsziele in die tägliche Praxis integrieren und einen Wandel zu einer grünen Wirtschaft unterstützen. Etwa durch die Vermeidung von Einwegmaterialien, die Reduzierung des Strom-, Wasser- und Papierverbrauchs und mehr Forschung zu den Folgen zahnärztlicher Tätigkeit für die Umwelt.


Eine erste Grundlage dafür lieferte zwei Jahre später der Brite Dr. Brett Duane, außerordentlicher Professor am Trinity College Dublin für öffentliche Gesundheit und Zahnmedizin. 2019 zeigte Duane mit Kollegen in einer Forschungsarbeit, dass sich der Löwenanteil des CO2-Fußabdrucks der Zahnmedizin im Nationalen Gesundheitsdienst Großbritanniens (NHS) dem Einfluss der Praxisinhaber weitestgehend entzieht: Fast zwei Drittel der Emissionen entfielen 2014/2015 auf das Pendeln der Mitarbeiter sowie den Hin- und Rückweg der Patienten. Nur 19 Prozent resultierten aus der Produktion und Lieferung von Verbrauchsgütern, 15 Prozent aus dem Energieverbrauch der Praxen und Kliniken.


INTERVIEW MIT DR. DÖRTHE FISCHER

„RESSOURCENSCHONUNG SOLLTE ZUM FESTEN BESTANDTEIL DER UNTERNEHMENSFÜHRUNG GEHÖREN“

Zahnärztin und Heilpraktikerin Dr. Dörthe Fischer ließ sich nach 13 Jahren in einer Gemeinschaftspraxis 2019 in eigener Praxis im Herzen Würzburgs nieder. Sie arbeitet mit einem fünfköpfigen Team, ihr Angebot reicht von ästhetischer Zahnmedizin bis zu Homöopathie und Naturheilverfahren. Beim Wettbewerb „Die Grüne Praxis“ gehörte sie zu den 22 Preisträgern. Wie kamen Sie zum Umweltschutz? Dr. Dörthe Fischer: 2017 habe ich privat mit der Imkerei begonnen. Die Arbeit in und mit der Natur hat meinen Blickwinkel stark beeinflusst. Damals war ich noch in einer Gemeinschaftspraxis tätig und das Praxiskonzept war ein komplett anderes. Zugunsten der Wirtschaftlichkeit wurde bewusst auf Nachhaltigkeit verzichtet. Im Rahmen meiner eigenen Niederlassung habe ich mir daher sehr viele Gedanken zu Green Dentistry gemacht. Häufig kann man bereits mit kleinen Änderungen einen Beitrag leisten: Ein kleiner Schritt für uns, ein großer Schritt für die Umwelt. Nennen Sie mal ein paar kleine Schritte. Wir haben Ökostrom. Und bei den Mundspülbechern haben wir auf Edelstahlbecher umgestellt. Diese sind nahezu unbegrenzt lange wiederverwendbar und im Thermodesinfektor hygienisch aufbereitbar. Außerdem gibt es bei uns keine Einmal-Patientenumhänge aus Kunststoff – wir verwenden Baumwolltücher, die in der Waschmaschine mit einem RKI-gelisteten Desinfektionswaschmittel wiederaufbereitet werden.

0 views0 comments

Updated: Nov 10, 2021

Pressemitteilung Quintessence Verlag am 04.11.2021



Im Juni 2021 wurde der Wettbewerb um das Qualitätssiegel „DIE GRÜNE PRAXIS“ gestartet. Jetzt stehen die ersten Gewinnerpraxen des neuen Siegels für mehr Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin fest. Die drei Praxen aus Berlin, Leinfelden-Echterdingen und Köln punkteten dabei mit ganz unterschiedlichen, aber gleichermaßen innovativen Ideen.

Bis zum Einsendeschluss am 15. Oktober 2021 hatten 115 Praxen Informationsmaterial angefordert. 37 hatten sich entschlossen, an diesem besonderen Wettbewerb teilzunehmen. Mit dem Titel „Praxis des Jahres 2021“ und dem Siegel „DIE GRÜNE PRAXIS“ ausgezeichnet wurden die „Mundpropaganda“ aus Berlin, topDentis Cologne MVZ aus Köln und Dr. Dr. Manfred Wolf aus Leinfelden-Echterdingen.


Hannes Schulte-Ostermann, „Mundpropaganda“ Berlin

Zahnarzt Hannes Schulte-Ostermann und das Praxisteam von „Mundpropaganda“ überzeugten mit einem umfassenden Konzept – von Mülltrennung und -reduzierung bis Reisen. Weniger Müll liegt dem Berlinern besonders am Herzen. Daher plant man dort auch den konsequenten Rückversandt von Verpackungen, um auf recycelbare Verpackungen aufmerksam zu machen. Der praxisinterne Nachhaltigkeitsbeauftragte entwickelt umweltrelevante Fortbildungen für das Team und sorgt ständig dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit im Teamgeist verankert ist und bleibt. Dafür gibt es eine besonders tolle Unterstützung: Jeder Mitarbeiter, der auf Flugreisen verzichtet, bekommt zwei Extra-Urlaubstage, und es werden BVG-Jobtickets und Jobfahrräder gestellt.


Digitalisierung als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie – damit kann das Kölner Team um den zahnärztlichen Leiter Armin Safavi-nab von topDentis Cologne punkten. Sein Umgang mit den großen Themen Digitalisierung und Energie hat die Jury überzeugt. Alle Prozesse in der Praxis sind digitalisiert, vom Intraoralscan bis zur Praxisverwaltung. Auch die kleinen „grünen“ Stellschrauben werden nicht vergessen, um so Ressourcen zu schonen. Außerdem engagieren sich Chefs und Mitarbeiter aktiv in mehreren Projekten für die Umwelt und den Artenschutz und haben zum Beispiel bereits mehr als 2000 Bäume gepflanzt. TopDentis bietet seinen Mitarbeitern Anreize wie Jobtickets und Patenschaften für vom Aussterben bedrohte Tierarten.


Sparsamer Umgang mit Ressourcen, Mobilität und Energie sind die Themen bei der dritten Siegerpraxis aus dem Raum Stuttgart: Dr. Dr. Manfred Wolf nutzt in Leinfelden den Strom aus der eigenen Solaranlage, unter anderem werden damit die E-Autos der Praxis geladen. Sie werden für alle Praxisfahrten eingesetzt. Und auch im Praxisalltag legt man großen Wert darauf, wo immer möglich auf Einmalprodukte zu verzichten und Produkte und Instrumente wiederzuverwenden.

6 views0 comments

Beim Blick auf die Zahnarztpraxen sagt es sich leicht, Plastikmüll zu reduzieren indem auf Plastikbecher verzichtet wird. Die Umsetzung ist deutlich schwieriger und vor allem langwieriger. Denn es ist nicht nur eine Frage der Kosten und der Verfügbarkeit von Ersatzmaterialien, sondern eben auch der Hygienevorschriften. Letztere haben ebenfalls ihren Anteil an so manchen Verpackungs„orgien“ der Dentalindustrie. Deshalb sind Nachhaltigkeitskonzepte so wichtig.



Das Siegel „Die Grüne Praxis“ ist beim Thema Nachhaltigkeit in Zahnarztpraxen am Start. Man kann sich angesichts der Siegelritis durchaus darüber streiten, ob ein weiteres Siegel Sinn macht. Aber wenn sich Produzenten und Anwender über Nachhaltigkeit in Produktion, Vertrieb/Logistik und Anwendung auseinandersetzen und versuchen, die „Marke Zahnarztpraxis um den Faktor Umweltbewusstsein zu stärken“, dann geht es in die richtige Richtung. Dies umso mehr, wenn auch zwischen Anwender und Industrie ein Austausch darüber einsetzt, wie viel Verpackung denn wirklich notwendig ist. Das ist ein erfolgversprechender Weg – und nicht ein weiteres staatliches Nachhaltigkeitssiegel, welches angesichts der Komplexität der einzelnen Branchen zum Scheitern verdammt sein wird.

5 views0 comments